Skydiver werden in 5 Schritten – #4 Dein erster Tag

Foto by Andreas Werth
Foto by Andreas Werth

Jetzt ist es also so weit. Du hast deine Ausbildungsform bestimmt und dir einen Sprungplatz gesucht – jetzt geht es darum loszulegen.Vereinbare einen Termin und mache dich bereit. Der erste Tag wird sicherlich einer der spannendsten deiner Springerkarriere werden. Packe deinen Rucksack und mache dich auf den Weg ins Abenteuer.

Zum Anziehen solltest du bequeme Kleidung mitbringen, eine Jogginghose und ein paar Sportschuhe helfen, sind aber nicht vorausgesetzt. Egal welche Ausbildungsform du wählst, jede Fallschirm-Ausbildung fängt mit zwei Tagen Theorieunterricht an. Am besten ist es, wenn du für die zwei Tage auf dem Sprungplatz übernachtest. So hast du keinen Zeitdruck, kannst abends noch ein Bier trinken und die Leute kennen lernen. Entweder du wohnst im Bunkhouse oder schnappst dir ein Zelt, was in den Sommermonaten eine gute Option ist. Auch etwas zum essen solltest du mitnehmen. Oft gibt es in den eher ländlichen Gebieten abends nicht mehr allzu viele Möglichkeiten, Lebensmittel zu beschaffen.

Erst Theorie, dann Action

Wenn du auf der Dropzone ankommst, musst du erst einmal einige Formulare ausfüllen. Gehe zum Manifest des Sprungplatzes, dort wird man dir helfen. Hast du einen Gutschein für einen Jochen Schweizer Schnuppersprung, kannst du diesen auch dort einlösen. Nach erfolgreicher Anmeldung geht es dann auch schon los. In den zwei Tagen Theorie und Bodenübungen lernst du alles, was du für deinen ersten Sprung wissen musst. Du lernst die Ausrüstung kennen, Grundlagen der Aerodynamik, Verhalten in Notfall-Situationen und sogar ein wenig Luftrecht. Trockenübungen am Boden helfen dir dabei, bei deinem ersten Sprung die richtige Freifall-Haltung einzunehmen. Außerdem wird der erste Sprung am Boden mit deinen zwei Lehrern simuliert, damit du ein Gefühl für die Abläufe bekommst.

Der erste Sprung

Hast du zwei Tage Trockenübungen zur Zufriedenheit deiner Lehrer und den Unterricht abgeschlossen, kann es auch schon losgehen. Wenn du die AFF-Ausbildung gewählt hast, wirst du gleich bei deinem ersten Sprung aus 4.000m Höhe springen, gemeinsam mit zwei Lehrern. Das Gefühl des freien Falls wird dir sicherlich anders vorkommen, als du es dir vorgestellt hast, außer natürlich du hast schonmal einen Tandemsprung gemacht. Es ist weniger ein fallen, als ein Schweben auf einem unsichtbaren Luftkissen. Stelle dir vor du bist auf der Autobahn und hältst den Kopf aus dem Auto. So ungefähr fühlt es sich an, nur am ganzen Körper.

In den ersten 10 Sekunden des freien Falls beschleunigst du auf deine variable Endgeschwindigkeit, meist rund 200 km/h. Beim AFF-Level 1 halten dich die beiden Lehrer von jeweils einer Seite an Armen und Beinen fest.Beim ersten Sprung sollst du dich an den freien Fall gewöhnen, deshalb sind deine Hauptprioritäten erstmal das stabile Fallen und die Entwicklung eines Höhenbewusstseins, was sehr wichtig beim Fallschirmspringen ist. Wenn du mehr über die AFF-Ausbildung im Detail erfahren willst, kannst du hier meinen Artikel lesen.

Nachdem du deinen Fallschirm erfolgreich geöffnet hast, gleitest du unter einem gemächlichen, für Sprungschüler entwickelten Fallschirm in Richtung Erde. Keine Angst, bei den ersten Sprüngen stehst du in Funkkontakt mit einem Bodenlehrer, der dir sagt, wie du landen musst. Das Fliegen unter dem Fallschirm ist der eher ruhige Teil des Sprung. Zum ersten Mal alleine unter einem geöffneten Fallschirm zu hänge und zu fliegen ist ein ganz besonders Moment. Du wirst feststellen, dass er sehr friedlich ist. Nach dem Lärm des freien Falls hast du jetzt noch einmal die Gelegenheit die schönes Aussicht zu genießen und durchzuatmen.  Trotzdem musst du natürlich konzentriert bleiben, um Unfälle zu vermeiden. Im Laufe deiner Ausbildung wirst du nach und nach die Levels der AFF-Ausbildung absolvieren und immer mehr lernen. Du wirst auch feststellen, dass das Fallschirmspringen ein eigentlich sicherer Sport ist und es vor allem auf die Ausführung ankommt. Deshalb ist eine intensive und gute Ausbildung wichtig.

Alle modernen Sport-Fallschirmsysteme verfügen über einen Reservefallschirm, sollte also etwas mit dem Hauptschirm nicht so klappen wie geplant, kannst du diesen jederzeit abtrennen und deine Reserve ziehen. Dies lernst du alles in der Ausbildung. Der Reservefallschirm wird jedes Jahr von einem zertifizierten Fallschirmtechniker- oder Fallschirmwart neu gepackt. Dies garantiert höchste Zuverlässigkeit und der Reservefallschirm ist speziell für Notsituationen entwickelt.

Ein weiteres Hilfsmittel ist das sogenannte „AAD“ oder auch „Automatic Activation Device“. Diese Gerät erkennt wenn man in zu niedriger Höhe noch frei fällt und öffnet im Fall der Fälle dann den Reservefallschirm automatisch. Dadurch wurden schon viele Leben gerettet. Erfahre nächste Woche mehr über das, was du nach der Ausbildung tun musst, um deine Fallschirm-Lizenz zu erhalten.

Fallschirmspringen leicht gemacht

Skydiver werden in 5 Schritten