Welche Voraussetzungen muss ich erfüllen?

Wer eine AFF-Ausbildung machen will, muss mindestens 14 Jahre alt sein und einen Tauglichkeitstest bei einem Haus- oder Sportarzt machen (natürlich auch bestehen). Minderjährige brauchen grundsätzlich eine Einverständiserklärung der Erziehungsberechtigten. Nach oben gibt es eigentlich kein Limit, entscheidend sind körperliche und geistige Fitness. Mir ist ein Mann bekannt, der im Alter von 80 Jahren seinen 1.000 Sprung gemacht hat. Problematisch sind grundsätzlich Vorekrankungen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall. Auch Schwangeren wird vom Fallschirmspringen abgeraten.


Was kostet eine AFF-Ausbildung?

Eine AFF-Fallschirmsprungausbildung kostet in der Regel 1.300€ – 1.500€. Wer sich noch nicht sicher ist, ob Fallschirmsport das Richtige für ihn ist, dem empfehle ich, einen Schnupperkurs zu buchen. Dieser umfasst die gesamte Theorie- und Bodenausbildung inkl. AFF-Level 1. Wer dann immer noch Lust hat, kann gleich weiter machen mit AFF-Level 2. Oft werden die Kosten dann bei der Entscheidung für einen Komplettkurs angerechnet.

 


Was soll ich anziehen?

Mitbringen sollte man bequeme Kleidung und am besten sportliche Schuhe. Die Ausrüstung wird während des AFF-Kurses gestellt. Zur Fallschirmspringer-Ausrüstung gehören:

  • Helm
  • Sprungbrille
  • Kombi
  • Fallschirm inkl. Reservefallschirm inkl. AAD (Automatic Activation Device)
  • Höhenmesser


Wofür steht AFF?

AFF steht für „Accelerated Free Fall“, was auf Deutsch so viel wie „beschleunigte Freifallausbildung“ heißt. Die AFF-Ausbildung ist die effektivste und modernste Ausbildungsform im Fallschirmsport. Hier werden die Schüler gleich von Anfang an, unter Aufsicht von sehr erfahrenen Lehrern, dem wunderbaren Gefühl des freien Falls ausgesetzt. Direkter Input im freien Fall und enge Erfolgskontrolle machen diese Ausbildungsmethode so effektiv. Am Boden wird jeder Sprung dank Videoaufzeichnung ausführlich analysiert. Eine äußert steile Lernkurve und viel Spaß zeichnen die AFF-Ausbildung aus. Entwickelt wurde die Ausbildungsmethode in den USA und 1985 auch vom Deutschen Fallschirmsportverband (DFV) anerkannt. Mittlerweile ist die AFF-Ausbildung zur Standardmethode bei der Ausbildung von Sportfallschirmspringern geworden (auch das Militär trainiert seine Spezialkräfte mit dieser Methode).


Wie lange, dauert so ein AFF-Kurs?

Jede Fallschirmsport-Ausbildung (egal ob konventionell oder AFF) beginnt mit 2 Tagen intensivem Theorieunterricht und Bodenübungen. Im Frontalunterricht lernen die Schüler grundlegende Funktionsweisen der Ausrüstung, Prinzipien der Aerodynamik und Sicherheitskunde. Im „Hänger“ werden Notprozeduren unter dem geöffneten Fallschirmgeübt. Auch die Freifallhaltung wird bereits am Boden eingeübt. Diese Phase dauert in der Regel 1,5-2 Tage.

Nach den zwei Tagen Bodenschule steht es dem Schüler frei, wann er seine Sprünge machen möchte. Grundsätzlich empfehle ich, alle 7 Sprünge zeitnah und ohne große Unterbrechungen zu absolvieren. Dies steigert den Lerneffekt enorm. Wer schnell ist, kann alle 7 Sprünge innerhalb von 3-5 Tagen absolvieren. Wer seine Ruhe haben möchte, sollte wenn möglich unter der Woche auf den Sprungplatz fahren. Dann ist es meist weniger voll und die Lehrer haben mehr Zeit für den einzelnen Schüler. Oft lernt man als angehender Falllschirmspringer schon viel, wenn man einfach etwas Zeit auf dem Sprungplatz verbringt.


Zu was berechtigt mich der Abschluss einer AFF-Ausbildung?

Die AFF-Ausbildung ist die Grundausbildung für Fallschirmspringer. Mit Bestehen der AFF-Ausbildung, erhalten die Schüler den „Frei-Solo“-Status. Dies heißt, dass der Shüler von nun an sicher und ohne Begleitung aus dem Flugzeug springen kann. Der erfolgreiche Abschluss einer AFF-Ausbildung ist aber noch NICHT die offizielle Lizenz zum Fallschirmspringen! Wer die AFF-Ausbildung besteht, bleibt Schüler im „Frei-Solo“-Status. Das heißt, dass der Schüler einen Bodenlehrer zugewiesen bekommt, der Ihn bis zum Erhalt der Lizenz begleitet und betreut.

Insgesamt 25 Sprünge (ink. AFF-Sprünge) werden benötigt, um die Fallschirmlizenz zu erhalten. Nach der AFF-Ausbildung bekommt der Schüler für jeden Solo-Sprung einen Sprungauftrag. Dazu gehören verschiedene Aufgaben und Manöver, die der Schüler im Laufe seines Solo-Sprunges durchführen muss. Hat man 24 Sprünge gemacht und bewiesen, dass man sicher allein Springen kann, folgt der Prüfungssprung. Der Prüfungssprung ist der 25. Sprung. Wer hier besteht, darf sich zu den glücklichen Besitzern einer Fallschirmlizenz zählen.

Die deutsche Fallschirmspringerlizenz gilt ein Leben lang und ist weltweit anerkannt. Einzige Voraussetzung zum Lizenzerhalt ist, dass man mindestens 12 Fallschirmsprünge pro Jahr macht. Schafft man dies nicht, muss man, bevor man wieder springt, einen Auffrischungskurs machen (2 Tage Theorie, Bodenübungen, 1 Überprüfungssprung mit einem Lehrer).


Wann kann ich springen?

Sprungsaison ist in der Regel vom Anfang April bis Ende Oktober. Da Fallschirmspringen sehr stark vom Wetter abhängig ist, legen die Fallschirmsprungplätze in Mitteleuropa im Winter meist eine Pause ein. Schlechte Sicht, tiefe Wollken und Regen machen ein sicheres Fallschirmspringen unmöglich.

Währen der Saison haben die meisten Sprungplätze 6 Tage die Woche geöffnet (meist 1 Ruhetag). Wer Zeit hat, kann also auch unter der Woche Fallschirmspringen gehen.


Kann ich auf dem Sprungplatz übernachten?

Die meisten Sprungplätze haben neben einem Campingplatz auch sanitäre Einrichtungen wie Duschen, Toiletten etc. Viele Sprungplätze haben auch ein sogenanntes „Bunkhouse“ – eine kleine Hütte oder ein Container, in dem man günstig ein Bett mieten kann. Ich empfehle Anfängern zumindest für die beiden Tage des Theorieunterrichts auf der Dropzone zu übernachten. Dies hilft nicht nur dabei, sich mehr aufs Fallschirmspringen zu konzentrieren, sondern ist auch eine tolle Möglichkeit, neue Bekanntschaften und Freundschaften zu schließen.


Ist Fallschirmspringen sicher?

Auch heute noch gilt der Fallschirmsport für viele als ein Sport für Draufgänger. Dieses Bild trügt jedoch. Mittlerweile ist der Fallschirmsport ein stark regulierter und technisch sehr weit fortgeschrittener Sport. Vor allem in den letzten 25 Jahren hat sich die Technik enorm weiterenwickelt.  Modernste Materialien und jahrelange Forschung machen die Ausrüstung von heute so sicher wie nie. Jeder Fallschirmspringer verfügt nicht nur über einen Haupt- sowie einen (regelmäßig kontrollierten) Reservefallschirm, sondern auch noch über ein AAD (Automatic Activation Device). Dieses AAD öffnet im Notfall (zum Beispiel bei Ohnmacht) automatisch den Reservefallschirm in niedriger, aber ausreichender Höhe. Das Benutzen eines AAD ist auf so gut wie jedem deutschen Sprungplatz Pflicht und hat schon vielen Fallschirmspringern das Leben gerettet.

Doch auch die besten Materialien nützen nichts, wenn der Mensch versagt. Deshalb ist menschliches Versagen auch die häufigste Unfallursache im Fallschirmsport. Die meisten tödlichen Unfälle passieren unter dem vollständig geöffneten Fallschirm. Oft sind die Ursache dabei Kappenkollisionen oder zu tiefe Drehungen. Bei jeder Drehung verliert der Fallschirm viel Höhe. Macht man also in zu niedriger Höhe noch eine Drehung, reicht die Höhe nicht mehr und man schlägt mit sehr hoher Geschwindigkeit auf dem Boden auf, was schnell tödlich ausgehen kann. Deshalb wird während der Ausbildung auch besonderes Augenmerk auf den Fallschirmflug gelegt. Hier lernt der Schlüler immer wieder, wie man einen richtigen Landeanflug fliegt, ohne sich und andere dabei zu gefährden.

Fallschirmspringen ist grundsätzlich ein sicherer Sport – jedoch hängt die Sicherheit vor allem vom Menschen ab. Fallschirmsport ist nichts für risikosuchende Draufgänger und Angeber. Deshalb gibt es strenge Sicherheitsregeln im Fallschirmsport, die unbedingt eingehalten werden müssen und deren Einhaltung kontrolliert wird! Wer sich nicht an die Regeln hält, gefährdet nicht nur sich, sondern vor allem auch andere. Wiederholungstäter werden früher oder später vom Sprungbetrieb ausgeschlossen. Auch haben die Lehrer jederzeit das Recht dazu, Schüler bei mangelnder Eignung wieder nach Hause zu schicken! Den Anweisungen der Lehrer ist unbedingt Folge zu leisten, ansonsten bringst Du Dich und andere in Lebensgefahr. Übrigens: nirgendwo wird ein Schüler oder Springer angegrinst oder ausgelacht, wenn er – aus welchen Gründen auch immer – einmal nicht aus dem Flugzeug springt!